Medizinalcannabis reduziert krankheitsbedingte Fehlzeiten – Milliardenpotenzial für Wirtschaft und Gesundheitssystem
Veröffentlicht am: 06.01.2026
Key Facts:
- Medizinalcannabis reduziert krankheitsbedingte Fehlzeiten bei Patient:innen um durchschnittlich 58 % und verbessert die Arbeitsfähigkeit deutlich.
- Hochgerechnet entsteht für die deutsche Volkswirtschaft ein jährlicher Mehrwert von über 3,7 Milliarden Euro durch geringere Arbeitsausfälle.
- Viele Patient:innen berichten über besseren Schlaf, weniger Symptome und höhere kognitive Leistungsfähigkeit im Berufsalltag.
- Medizinalcannabis ermöglicht häufig die Reduktion oder den Ersatz von Opioiden und anderen Medikamenten mit relevanten Nebenwirkungen.
Medizinalcannabis gewinnt in Deutschland zunehmend an Bedeutung – nicht nur als Therapieoption für chronisch erkrankte Patient:innen, sondern auch als relevanter volkswirtschaftlicher Faktor. Aktuelle Daten des Bundesverbands pharmazeutischer Cannabinoidunternehmen (BPC) zeigen: Die Behandlung mit medizinischem Cannabis kann krankheitsbedingte Fehlzeiten deutlich reduzieren und damit sowohl die Lebensqualität Betroffener als auch die Produktivität am Arbeitsplatz nachhaltig verbessern.
Chronische Erkrankungen als Treiber von Fehlzeiten
Mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland lebt mit einer chronischen Erkrankung oder einem langanhaltenden Gesundheitsproblem. Chronische Schmerzen, Schlafstörungen, neurologische und psychische Erkrankungen zählen zu den häufigsten Ursachen für langfristige Arbeitsausfälle. Gleichzeitig nehmen Millionen Menschen regelmäßig Opioide, Antidepressiva oder Schlafmittel ein – oft verbunden mit relevanten Nebenwirkungen und eingeschränkter Leistungsfähigkeit.
Gerade langwierige Erkrankungen sind für den Großteil der krankheitsbedingten Fehlzeiten verantwortlich und verursachen erhebliche Kosten für Arbeitgeber, Krankenkassen und die Volkswirtschaft insgesamt.
Medizinalcannabis als Therapieoption mit arbeitsrelevantem Effekt
Der BPC-Report basiert auf einer anonymen Online-Befragung von 8.831 Cannabis-Patient:innen und ist damit die bislang größte Erhebung dieser Art in Deutschland. Die Ergebnisse zeigen ein klares Bild:
Vor Beginn der Cannabis-Therapie fehlten die Befragten im Durchschnitt 37,6 Tage pro Jahr krankheitsbedingt am Arbeitsplatz. Nach Therapiebeginn sank diese Zahl um 58 Prozent auf 15,7 Fehltage jährlich.
Besonders relevant: Rund ein Fünftel der Patient:innen war vor der Behandlung über längere Zeit arbeitsunfähig – viele von ihnen konnten nach Beginn der Cannabis-Therapie wieder ins Berufsleben zurückkehren.
Weniger Nebenwirkungen, bessere Leistungsfähigkeit
Neben der reinen Reduktion von Fehltagen berichten viele Patient:innen über qualitative Verbesserungen im Arbeitsalltag:
- 68 % arbeiten effektiver durch verbesserte Schlafqualität.
- 54,3 % empfinden weniger belastende Symptome.
- 42,1 % sehen positive Effekte auf ihre kognitive Leistungsfähigkeit.
- Negative Auswirkungen wie Konzentrationsprobleme oder Fehler traten nur bei unter 3 % der Befragten auf.
Diese Ergebnisse unterstreichen, dass Medizinalcannabis nicht mit Leistungseinbußen gleichzusetzen ist – im Gegenteil: Für viele Patient:innen ermöglicht die Therapie erst eine stabile und belastbare Teilnahme am Arbeitsleben.
Reduktion anderer Medikamente als zusätzlicher Faktor
Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Substitution, also das Ersetzen, oder die Reduktion anderer Arzneimittel. Internationale Studien und die BPC-Erhebung zeigen, dass der Opioidbedarf durch Medizinalcannabis um bis zu 50 % sinken kann. In der Umfrage gaben 62,8 % der Patient:innen an, mindestens ein anderes Medikament vollständig abgesetzt zu haben, weitere 28 % reduzierten die Dosis signifikant.
Weniger Nebenwirkungen, geringere Polypharmazie und stabilere Symptomkontrolle wirken sich dabei direkt auf Arbeitsfähigkeit und Fehlzeiten aus.
Volkswirtschaftlicher Nutzen in Milliardenhöhe
Auf Basis der durchschnittlichen Einkommen und der eingesparten Krankheitstage ergibt sich ein eindrucksvolles Gesamtbild: Hochgerechnet auf rund 800.000 Cannabis-Patient:innen in Deutschland entsteht ein jährlicher volkswirtschaftlicher Mehrwert von über 3,7 Milliarden Euro durch reduzierte krankheitsbedingte Fehlzeiten allein.
Nicht eingerechnet sind dabei weitere Einsparpotenziale durch geringere Medikamentenkosten, weniger Arztbesuche, reduzierte Pflegebedarfe oder vermiedene Krankenhausaufenthalte.
Fazit: Medizinalcannabis als Gesundheits- und Standortfaktor
Die aktuellen Daten zeigen deutlich: Medizinalcannabis ist mehr als eine individuelle Therapieentscheidung. Es handelt sich um eine medizinisch relevante Behandlungsoption mit messbarem Nutzen für Patient:innen, Arbeitgeber und die gesamte Volkswirtschaft.
Vor diesem Hintergrund werfen geplante regulatorische Verschärfungen kritische Fragen auf. Eine evidenzbasierte Gesundheitspolitik sollte das Potenzial von Medizinalcannabis berücksichtigen – nicht nur im Sinne der Versorgungssicherheit, sondern auch als Investition in Arbeitsfähigkeit, Lebensqualität und wirtschaftliche Stabilität.
Quelle:
- Pressemitteilung des BPC:
Volkswirtschaftlicher Nutzen durch Medizinalcannabis-Behandlungen
https://bpc-deutschland.de/presse/volkswirtschaftlicher-nutzen-durch-medizinalcannabis-behandlungen
- BPC_Report_Volkswirtschaftlicher Nutzen MedCan
https://bpc-deutschland.de/wp-content/uploads/2025/12/BPC_Report_Volkswirtschaftlicher-Nutzen-MedCan.pdf