Patientenumfrage 2026 zu medizinischem Cannabis: Erfahrungen, Herausforderungen und Realität der Cannabis-Therapie in Deutschland
Aktualisiert am: 25.02.2026
Unsere digitale Patientenumfrage 2026 mit 611 Teilnehmenden liefert klare Antworten zu Zugang, Bürokratie, gesellschaftlicher Akzeptanz und Alltagserfahrungen.
Hier finden Sie die wichtigsten Ergebnisse — kompakt, verständlich und faktenbasiert.
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#14 Cannabis in Deutschland: Ein Blick auf die aktuelle Lage mit Prof. Gottschling
Zugang zu medizinischem Cannabis: Für viele ein langer Weg
Der Weg zum Cannabis-Rezept ist für viele Patient:innen kein direkter.
- Nur 24 % erhielten das Rezept beim ersten ärztlichen Kontakt.
- 23 % mussten mehr als fünf Ärzt:innen aufsuchen.
Abb. 1: Anzahl der besuchten Ärzt:innen
Der Zugang zu medizinischem Cannabis in Deutschland ist inzwischen gut möglich, aber häufig mit mehreren Arztbesuchen verbunden.
Warum Patient:innen eine Cannabis-Therapie beginnen
Die häufigsten Gründe für den Therapiewechsel:
- Schlafstörungen (28 %)
- Chronische Schmerzen / unerträgliche Symptome (28 %)
- Alltag oder Beruf nicht mehr bewältigbar (23 %)
Medizinisches Cannabis wird meist nicht als erste Therapieoption gewählt, sondern bei hohem Leidensdruck oder nach unzureichender Wirkung anderer Behandlungen.
Wie sicher fühlen sich Patient:innen bei Beginn der Therapie?
Ein zentrales Ergebnis der Umfrage:
- 68 % fühlten sich gut aufgeklärt und sehr sicher
Abb. 2: Gefühl zu Beginn der Cannabis-Therapie
Nur ein kleiner Anteil fühlte sich klar unsicher. Das zeigt: Die ärztliche Begleitung bei medizinischem Cannabis wird überwiegend positiv bewertet — insbesondere dort, wo Erfahrung mit der Cannabis-Therapie vorhanden ist.
Bürokratie und gesellschaftliche Vorurteile als größte Hürden
Zu Beginn der Therapie empfanden:
- 36 % Bürokratie und Vorurteile gleichermaßen schwierig
- 34 % vor allem den Zugang zum Rezept und administrative Prozesse (Antragstellung, Dokumentation usw.) herausfordernd.
- Für 11 % der Befragten waren weder der Rezepterhalt noch die Reaktion anderer ein Problem.
Aktuelle Herausforderungen im Alltag mit medizinischem Cannabis
Heute, knapp 9 Jahre nach der Legalisierung des medizinischen Cannabis in Deutschland, stehen andere Themen im Vordergrund. Für die von uns befragten Patient:innen sind dies vor allem:
- Gesellschaftliche Akzeptanz (22 %)
- Unsicherheiten im Alltag (Arbeit, Autofahren) (21 %)
- Ärztliche Versorgung und Kostenfragen (je ca. 20 %)
Abb. 3: Aktuelle Herausforderungen
Klar wird: Die medizinische Anwendung ist etabliert - die gesellschaftliche Normalisierung entwickelt sich vergleichsweise langsamer.
Politische Debatte vs. Patientenrealität
55 % der Befragten sagen, die politische Diskussion rund um Cannabis gehe an ihrer Lebensrealität vorbei.
Abb. 4: Erleben der politischen und öffentlichen Diskussion
Auch medial fühlen sich viele nicht ausreichend repräsentiert. Nur knapp 32 % gaben an, sich als Patient:in bei der aktuellen Berichterstattung gesehen zu fühlen.
Ist medizinisches Cannabis im Alltag normal?
Die klare Antwort der Mehrheit:
- 57 %: „völlig normal“
- 25 %: „meistens normal“
Abb. 5: Erleben der heutigen Cannabis-Therapie
Über 80 % erleben ihre Cannabis-Therapie als festen Bestandteil ihrer Gesundheitsversorgung.
Für die Mehrheit der Patient:innen ist medizinisches Cannabis heute eine normale Therapieform — nicht Ausnahme, sondern Alltag.
Die wichtigste Botschaft der Umfrage
Auf die Frage nach einem Rat an das frühere Ich antworteten die meisten:
„Lass dich nicht verunsichern.“ (39 %)
Diese Aussage verdeutlicht: Die größte Unsicherheit entsteht häufig nicht durch die Therapie selbst, sondern durch gesellschaftliche Wahrnehmung.
Fazit
Die Patientenumfrage 2026 zeigt: Der Zugang zu medizinischem Cannabis in Deutschland ist häufig langwierig. Patient:innen entscheiden sich meist bei hohem Leidensdruck für die Therapie. Die medizinische Begleitung wird überwiegend positiv erlebt. Die größten Herausforderungen liegen in Bürokratie, gesellschaftlicher Akzeptanz und öffentlicher Wahrnehmung. Für die Mehrheit ist die Cannabis-Therapie heute jedoch normaler Bestandteil ihres Alltags.
FAQ: Häufige Fragen zur Cannabis-Therapie
Wie viele Ärzt:innen muss man aufsuchen, um medizinisches Cannabis zu bekommen?
Laut Patientenumfrage benötigten viele mehrere Arztkontakte. Rund 23 % erhielten das Rezept direkt, während etwa 23 % mehr als fünf Ärzt:innen aufsuchen mussten.
Warum entscheiden sich Patient:innen für medizinisches Cannabis?
Häufige Gründe sind chronische Schmerzen, Schlafstörungen oder ein stark eingeschränkter Alltag.
Ist medizinisches Cannabis im Alltag stigmatisiert?
Viele Patient:innen berichten von gesellschaftlicher Zurückhaltung oder Unsicherheiten im beruflichen Umfeld.