Neues Jahr mit Cannabis – Rückblick und Ausblick auf 2026
Veröffentlicht am 06.01.2026
Key facts
- Cannabis ist seit 2024 in Deutschland teillegalisiert. Das neue Cannabisgesetz wurde Ende 2025 evaluiert und Auswirkungen fortlaufend beobachtet.
- Politisch bleibt die Legalisierung umstritten, eine vollständige Rücknahme gilt als unwahrscheinlich.
- Medizinisches Cannabis gewinnt weiter an Bedeutung und Akzeptanz. Aktuell werden Anpassungen im MedCanG im Bundes-Gesundheitsausschuss diskutiert (u.a. Verbot der Telemedizin, Versandverbot).
- Regulierte Verkaufsmodelle könnten 2026 an Bedeutung gewinnen.
Wie die Legalisierung Deutschland verändert hat und was uns 2026 erwartet
Das neue Jahr beginnt – und mit ihm ein weiterer Abschnitt in der deutschen Cannabis-Geschichte. Seit der Teillegalisierung im Jahr 2024 hat sich der gesellschaftliche, politische und medizinische Umgang mit Cannabis spürbar verändert. 2025 war geprägt von Evaluierungen, Wahlkampfdebatten und ersten belastbaren Erfahrungswerten. 2026 steht nun im Zeichen der Weichenstellung: Bleibt es beim aktuellen Kurs oder folgt die politische Korrektur?
Dieser Artikel blickt zurück auf die wichtigsten Entwicklungen und wagt einen fundierten Ausblick auf das Cannabis-Jahr 2026.
Rückblick: Zwei Jahre Cannabis-Reform in Deutschland
Mit dem Inkrafttreten des Cannabisgesetzes (CanG) wurde Cannabis in Deutschland erstmals für Erwachsene unter klaren Regeln legalisiert. Besitz kleiner Mengen, privater Eigenanbau bis drei Pflanzen und nicht-kommerzielle Cannabis-Clubs sind seither erlaubt. Ziel war es, den Schwarzmarkt einzudämmen, den Jugend- und Gesundheitsschutz zu stärken und Konsument:innen zu entkriminalisieren.
Gesellschaftliche Realität statt Befürchtungen
Viele der im Vorfeld geäußerten Sorgen – etwa ein massiver Konsumanstieg oder eine Überlastung des Gesundheitssystems – haben sich bislang nicht bestätigt.
Am 15. November 2025 wurden die ersten Ergebnisse der wissenschaftlichen Evaluation des Cannabisgesetzes (EKOCAN-Interimreport) veröffentlicht. Diese liefern die erste belastbare Datenlage zur Wirkung der Teillegalisierung:
Kernaussagen der Evaluation:
- Erwachsenen-Konsum ist stabil: Ein nominaler Anstieg von ca. 8 % auf 8,9 % zeigt keinen statistisch signifikanten Konsum-„Boom“.
- Jugendschutz wirkt: Der rückläufige Trend beim Cannabis-Konsum bei 12- bis 17-Jährigen setzte sich fort (6,7 auf 6,1 %) – der befürchtete negative Effekt der Legalisierung blieb aus.
- Schwarzmarktanteile sinken: Fast die Hälfte der Konsumenten kauft legal über Social Clubs oder eigenen Anbau – was dem illegalen Markt Marktanteile kostet.
- Justiz und Polizei entlastet: Zahlreiche geringfügige Delikte entfallen, was Ressourcen freisetzt.
Fazit: Die Datenlage zeigt, dass viele zentrale Ziele der Legalisierung – Jugendschutz und Schwarzmarkt-Bekämpfung – erste positive Effekte zeigen. Langfristige Beurteilungen bleiben jedoch offen, da die Datenlage bislang nur einen frühen Zeitraum abbildet.
„2026 ist das Jahr, in dem sich entscheidet, ob Cannabis in Deutschland nachhaltig reguliert oder erneut politisiert wird. Die bisherigen Daten zeigen, dass nüchterne Evaluationen wichtiger sind als ideologische Debatten.“
– Dr. Nadine Herwig, Leiterin der Grünhorn Academy
Besonders für Patient:innen mit chronischen Schmerzen, Schlafstörungen oder neurologischen Erkrankungen hat sich der Zugang zu medizinischem Cannabis in den letzten Jahren spürbar verbessert.
Auch wenn die Akzeptanz von Cannabis als Genuss- und Medizinprodukt weiter wächst, so bleibt die legale Versorgung von Konsument:innen eine zentrale Herausforderung. Legale Cannabisvereine decken laut der Erhebung nur 0,1 % des geschätzten Bedarfs. Daher fordern viele einen Abbau der Bürokratie bspw. bei der Betreibung von Anbauvereinen oder eine Ausweitung regulierter Verkaufsmöglichkeiten.
Politische Diskussion: Cannabis bleibt ein Reizthema
Trotz gesellschaftlicher Normalisierung bleibt Cannabis politisch hoch umstritten. Die Bundestagswahl 2025 hat gezeigt, wie stark das Thema polarisiert. Während progressive Kräfte die Reform als überfällig und erfolgreich bewerten, fordern konservative Parteien eine Rückabwicklung oder deutliche Verschärfung.
1. Lesung am 18. Dezember 2025 im Bundestag
Am 18. Dezember 2025 fand die erste Lesung eines Gesetzesentwurfs zur Änderung des Medizinal-Cannabis-Gesetzes (MedCanG) statt – ein bedeutender Schritt für Patient:innen und das Gesundheitssystem. Der Entwurf wurde nach kurzer Aussprache in den Gesundheitsausschuss überwiesen und zeigt, wie kontrovers medizinische Fragen der Cannabisversorgung politisch diskutiert werden.
Zentrale Punkte des Gesetzesentwurfs:
- Einschränkung des Telemedizin-Zugangs: Rezepte nur noch nach persönlichem Arztkontakt statt per Video/Tel., was die Rolle digitaler Konsultationen stark begrenzen würde.
- Konsequente Anamnese: Vor Verordnung soll künftig eine gründliche ärztliche Untersuchung stehen, um Missbrauch zu begrenzen.
- Adressierung starker Importmengen: Die Bundesregierung begründet den Entwurf mit einem starken Anstieg der Cannabis-Importe, der über das Maß schwerkranker Patient:innen nicht erklärbar sei.
- Versand soll eingeschränkt werden: Der Versand von Medizinal-Cannabis könnte nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr erlaubt werden, während Botendienste der Apotheken erhalten bleiben sollen.
Politische Reaktionen
- CDU & AfD fordern starke Verschärfungen oder Rücknahme der liberalen Regelungen, teils pauschal gegen Legalisierung gerichtet.
- SPD & Grüne warnen vor Versorgungslücken für Patient:innen und betonen die Bedeutung digitaler Zugänge wie Telemedizin.
- Die Linke sieht harte Eingriffe in patientenfreundliche Versorgung eher als Risiko für Schwarzmarkt-Rückkehrer.
Die Debatte zeigt: 2026 könnte die medizinische Versorgung mit Cannabis ebenso im Zentrum politischer Entscheidungen stehen wie die Konsum-Regulierung selbst.
Evaluierung statt Rücknahme
Aktuell setzt die Bundesregierung auf eine ergebnisoffene, fortschreitende Evaluierung des Cannabisgesetzes. Anfang April 2026 ist eine zweite Auswertung geplant. Der vollständige Abschlussbericht ist gar erst für April 2028 vorgesehen. Dabei stehen vor allem folgende Fragen im Mittelpunkt:
- Wie wirkt sich die Legalisierung langfristig auf den Schwarzmarkt aus?
- Sind die bestehenden Jugendschutzmaßnahmen ausreichend?
- Welche gesundheitlichen Effekte zeigen sich bei regelmäßigem Konsum?
Eine vollständige Rücknahme gilt Stand Anfang 2026 als unwahrscheinlich – realistischer sind Anpassungen, etwa strengere Auflagen für Cannabis-Clubs oder erweiterte Präventionsprogramme. Diese Punkte werden parallel zu den Vorschlägen im Gesundheitsausschuss diskutiert. Der Gesundheitsausschuss wird sich ausschließlich mit den Anpassungen des MedCanG beschäftigen.
Ausblick 2026: Wohin entwickelt sich Cannabis in Deutschland?
Kommt der regulierte Verkauf?
Eine der spannendsten Fragen für 2026 bleibt die nach lizenzierten Fachgeschäften. Modellprojekte in einzelnen Regionen könnten den Weg für einen staatlich kontrollierten Verkauf ebnen. Ziel wäre es, Qualität, Wirkstoffgehalt und Verbraucher:innenschutz besser zu regulieren als auf dem Schwarzmarkt.
Der weitere politische Fahrplan sieht zwei zentrale Punkte vor:
- Fortsetzung der Evaluierung: Die nächsten offiziellen Berichte der Cannabis-Evaluation stehen weiter aus und werden maßgeblich darüber entscheiden, ob das Gesetz angepasst, verschärft oder stabil fortgeführt wird.
- MedCanG-Änderungen: Die Empfehlungen des Gesundheitsausschusses nach 1. Lesung könnten Mitte/Ende 2026 im Bundestag zur Abstimmung stehen – und damit die Versorgungspraxis für Patient:innen nachhaltig verändern.
Medizinisches Cannabis weiter auf Wachstumskurs
Unabhängig von der politischen Diskussion boomt der medizinische Bereich. Immer mehr Ärzt:innen erkennen Cannabis als sinnvolle Therapieoption – insbesondere bei chronischen Erkrankungen. Für 2026 wird erwartet:
- Mehr zugelassene Cannabis-Arzneimittel
- Bessere Versorgungssicherheit
- Weitere Entstigmatisierung von Cannabis-Patient:innen
Spannende Side-Facts rund um Cannabis 2026
- Deutschland gilt inzwischen als Taktgeber der europäischen Cannabis-Debatte
- Länder wie Frankreich, Tschechien und die Schweiz beobachten die Entwicklung genau
- Cannabis Social Clubs haben in vielen Regionen erstmals legale, gemeinschaftliche Strukturen geschaffen
- Die Entkriminalisierung spart dem Staat jährlich Millionen an Verfahrenskosten
Fazit: Cannabis 2026 zwischen Normalisierung und Neubewertung
Das Jahr 2026 beginnt mit einer nüchternen Erkenntnis: Cannabis ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, politisch aber noch lange nicht abgeschlossen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Deutschland den eingeschlagenen Weg konsequent weitergeht oder den rechtlichen Rahmen nachjustiert.
Für Konsument:innen und Patient:innen bedeutet das vor allem eines: Informiert bleiben. Denn Cannabis ist nicht mehr nur ein Randthema – sondern Teil einer größeren Debatte über Gesundheit, Eigenverantwortung und moderne Drogenpolitik.