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Cannabis bestrahlt: Welche Rolle spielt die Bestrahlung bei medizinischem Cannabis?

Person mit blauen Handschuhen hält eine Pinzette mit Cannabisblüte über ein Reagenzglas

Aktualisiert am: 04.02.2026

Key Facts:

  • Bestrahltes Cannabis gilt als unbedenklich, da bei der Bestrahlung keine radioaktiven oder anderweitigen Rückstände entstehen.
  • Die Bestrahlung von Cannabisblüten dient primär der Verminderung der Keimbelastung und sorgt für die Sicherheit, insbesondere für Patient:innen mit geschwächtem Immunsystem.
  • Die Hauptwirkstoffe THC und CBD bleiben durch die Bestrahlung stabil und unverändert.
  • Studien zeigen, dass der Gehalt an Terpenen nach der Bestrahlung um 10 bis 20 Prozent sinken kann, bei besonders flüchtigen Terpenen sogar um bis zu 38 Prozent.
  • Es gibt keine Pflicht zur Bestrahlung von medizinischem Cannabis, wohl aber ist diese reguliert (AMRadV) – jeder Hersteller entscheidet selbst, ob und wie bestrahlt wird.

Immer mehr Patient:innen setzen auf medizinisches Cannabis als naturbasierte Therapieform – doch wie sicher sind diese cannabisbasierten Produkte eigentlich? Ein zentrales Thema dabei ist die Bestrahlung. Medizinisches Cannabis unterliegt in Deutschland strengen Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen. Ein Begriff, der Patientinnen und Patienten dabei immer wieder begegnet, ist „bestrahltes Cannabis“. Doch was bedeutet das eigentlich? Ist bestrahltes medizinisches Cannabis schlechter, unsicher oder weniger wirksam?

Dieser Artikel erklärt verständlich, warum Cannabis bestrahlt wird, welche Verfahren zum Einsatz kommen und welche Auswirkungen das auf Wirkstoffe, Qualität und Sicherheit hat.


Warum wird medizinisches Cannabis bestrahlt?

Medizinisches Cannabis unterliegt – wie andere Arzneimittel auch – strengen Vorschriften zur Produktsicherheit. Die Qualität der Cannabisblüten muss garantiert sein. Cannabis ist ein Naturprodukt. Beim Anbau, der Ernte oder der Lagerung können sich Keime, Bakterien oder Schimmelpilze bilden. Für Freizeitkonsum mag das toleriert werden – für Arzneimittel jedoch nicht.

Medizinisches Cannabis muss den strengen Vorgaben des Arzneibuchs (GMP-Standard) entsprechen. Die Bestrahlung dient dazu:

  • mikrobiologische Verunreinigungen zu reduzieren,
  • die Sicherheit für immungeschwächte Patient:innen zu erhöhen,
  • eine gleichbleibend hohe pharmazeutische Qualität zu gewährleisten.

Ziel ist also nicht „Manipulation“, sondern Patientensicherheit.

Durch die Bestrahlung werden Keime, Bakterien und andere Mikroorganismen abgetötet, um die mikrobiologische Reinheit des Cannabis zu gewährleisten. Für Patient:innen mit geschwächtem Immunsystem wird die Bestrahlung als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme eingesetzt, um ein höheres Maß an Sicherheit zu bieten.

Da herkömmliche Verfahren wie Hitzesterilisation die empfindlichen Inhaltsstoffe, darunter Cannabinoide und Terpene, schädigen würden, wird auf eine alternative, schonende Technik zurückgegriffen: ionisierende Strahlung. Diese Methode senkt die mikrobielle Belastung zuverlässig, ohne die Zusammensetzung der Cannabisprodukte wesentlich zu verändern.

„Für viele Patient:innen klingt ‚bestrahlt‘ zunächst abschreckend. 
Tatsächlich sorgt die Bestrahlung dafür, dass medizinisches Cannabis sicher, keimarm und zuverlässig wirksam eingesetzt werden kann.“
– Dr. Nadine Herwig, Leiterin der Grünhorn Academy

In Deutschland haben Patient:innen die Wahl zwischen bestrahltem und unbestrahltem Cannabis. Im Vergleich zeigt sich, dass bestrahltes Cannabis als sicherer gilt, da es weniger Keime enthält und besonders für immungeschwächte Patient:innen empfohlen wird. Ein Vergleich der beiden Varianten zeigt, dass beide Vor- und Nachteile haben. Die Entscheidung für bestrahlt vs. unbestrahlt sollte individuell und in Absprache mit dem behandelnden Arzt bzw. der behandelnden Ärztin getroffen werden.


Keimbelastung: Wie kommt es zur Kontamination?

Bereits beim Anbau können sich Mikroorganismen wie Bakterien oder Schimmelpilze auf den Pflanzen ansiedeln. Besonders kritisch wird es, wenn folgende Faktoren nicht optimal erfüllt sind:

  • kontrollierter Anbau unter hygienischen Bedingungen
  • korrekter Erntezeitpunkt
  • sorgfältige Trocknung
  • Verarbeitung nach GMP-Richtlinien

Auch bei bester Sorgfalt kann es zu Infektionen kommen – selbst bei legalem, zertifiziertem Anbau. Um die Sicherheit zu erhöhen, setzen viele Hersteller auf Bestrahlung, um das Produkt von Mikroben zu befreien.

Jedoch gibt es auch eine Vielzahl an Herstellern, die dank modernster Technik und kontinuierlicher Überprüfung von Luft- und Wasserzufuhr die Keimbelastung bereits während der Kultivierung auf ein Minimum reduzieren können und so die nachträgliche Bestrahlung von medizinischem Cannabis nicht brauchen.


Welche Bestrahlungsmethoden gibt es?

Ionisierende Strahlung

Die wohl am häufigsten eingesetzte Art der Behandlung ist ionisierende Strahlung, also energiereiche Strahlung, die das Erbgut von Mikroorganismen zerstört. Dabei unterscheidet man hauptsächlich zwischen:

  • Gamma-Bestrahlung (z. B. mit Cobalt-60)
  • E-Beam-Bestrahlung (Elektronenstrahlen)

Beide Methoden sind etabliert und gelten bei richtiger Anwendung als sicher.

Gamma-Bestrahlung: Der Klassiker unter den Strahlenverfahren

Die sogenannte Gammastrahlung, die meist mithilfe von Cobalt-60 erzeugt wird, wird seit Jahrzehnten zur Sterilisation medizinischer Produkte verwendet. Sie hat eine hohe Durchdringungstiefe, zerstört zuverlässig Mikroorganismen, hinterlässt keine Rückstände und verändert die Zusammensetzung des Produkts nur minimal.

Vorteile:

  • hohe Effizienz bei der Reduktion von Kontamination
  • bewährte Methode mit wissenschaftlichem Hintergrund
  • keine nennenswerten Veränderungen in der Wirkung oder dem Terpenprofil

E-Beam-Bestrahlung: Was ist Elektronenstrahl-Bestrahlung?

Die E-Beam-Bestrahlung nutzt hochenergetische Elektronen zur Keimreduktion. Bei der Elektronenstrahl-Bestrahlung werden Elektronen mit hoher Geschwindigkeit auf das Material geschossen, wodurch eine präzise Dosierung möglich ist. Im Gegensatz zur Gammastrahlung ist die Eindringtiefe geringer, was die Methode besonders für dünnere Materialien geeignet macht, während die Behandlung schneller und zielgerichteter erfolgt.

Vorteile:

  • präzise Steuerung der Strahlung
  • geringere Prozesszeiten
  • keine radioaktiven Quellen nötig

Trotz der Vorteile wird E-Beam aufgrund höherer Kosten seltener eingesetzt. Dennoch bietet die Methode eine interessante Alternative – insbesondere für Produzenten mit hohen Qualitätsstandards.



 
 

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Hat die Bestrahlung einen Einfluss auf Terpene, Aroma und Wirkung?

Viele Konsument:innen haben Sorge, dass die Bestrahlung die Wirkstoffe oder das Aroma der Cannabisblüten verändert. Aber: Die Auswirkungen auf das Terpenprofil sind gering, insbesondere bei fachgerechter Anwendung. Zwar kann es zu leichten Veränderungen kommen, diese beeinflussen aber weder die medizinische Wirkung noch die Sicherheit des Körpers. Das Terpenprofil wird meist nicht qualitativ, also in dessen Zusammensetzung, beeinflusst, sondern wenn, dann eher quantitativ, also in den Konzentrationen einzelner Terpene. Vor allem die Menge der sehr leicht flüchtigen Terpene kann sich während des Prozesses der Bestrahlung verringern. Welchen Einfluss dies auf die therapeutische Wirkung hat, lässt sich nicht sagen. Prinzipiell ist die Wirkung von medizinischem Cannabis sehr individuell, so dass es dazu leider keinerlei Untersuchungen gibt.

Unbestrahltes Cannabis bewahrt oft ein intensiveres Terpenprofil und Aroma. Die wichtigsten Cannabinoide wie THC und CBD bleiben durch die Bestrahlung stabil.

Wichtig: Auch unbestrahlte Varianten müssen strenge mikrobiologische Grenzwerte erfüllen. Cannabis aus der Apotheke stellt demnach in jedem Fall ein sicheres, geprüftes Naturprodukt dar!


Gibt es gesetzliche Vorschriften zur Bestrahlung von medizinischem Cannabis?

Ja – aber nicht flächendeckend. In Deutschland regelt die "Verordnung über radioaktive oder mit ionisierenden Strahlen behandelte Arzneimittel" (AMRadV) die zulässigen Strahlendosen und Verfahren. Jede bestrahlte Sorte benötigt dabei eine eigene Zulassung - das ist aufwändig und teuer.

Hersteller entscheiden selbst, ob sie ihre Cannabisprodukte einer Strahlenbehandlung unterziehen. Maßgeblich für die Anwendung der Bestrahlung ist meist die Einhaltung der vorgeschriebenen Höchstwerte für Mikroorganismen (TAMC - Total Aerobic Microbial Count) und Pilze (TYMC - Total Yeast and Mold Count). Liegen die tatsächlichen Werte oberhalb dieser Grenzwerte, wird die Bestrahlung als Methode der Keimreduktion angewandt. Somit kann auch zukünftiges mikrobielles Wachstum wirksam verringert werden.


Forschungslage zu bestrahltem Cannabis weiterhin dünn

Bisher existiert nur eine überschaubare Anzahl an Studien, die die konkreten Effekte der Bestrahlung auf medizinisches Cannabis untersuchen. Die meisten belegen eine gute Produktsicherheit, ohne gravierende Veränderungen in Wirkung oder chemischer Zusammensetzung1,2. Dennoch wünschen sich viele Patient:innen und Verbraucher:innen mehr Transparenz und Forschung.


Fazit: Bestrahlt vs. unbestrahlt – was ist besser?

Ob medizinisches Cannabis bestrahlt wurde oder nicht – sicher ist, dass es gründlich geprüft wurde. Beide Varianten unterliegen strengen Vorschriften zur mikrobiologischen Qualität. Für viele Patient:innen steht die Sicherheit an erster Stelle – und hier bietet die Bestrahlung zusätzliche Kontrolle.


Quellen 
1 Hazekamp, A. (2016). Evaluating the effects of gamma-irradiation for decontamination of medicinal cannabis. Frontiers in Pharmacology, 7, 108. https://doi.org/10.3389/fphar.2016.00108. 
2 Majumdar, C. G., ElSohly, M. A., Ibrahim, E. A., Elhendawy, M. A., Stanford, D., Chandra, S., Wanas, A. S., & Radwan, M. M. (2023). Effect of gamma irradiation on cannabinoid, terpene, and moisture content of cannabis biomass. Molecules, 28(23), 7710. https://doi.org/10.3390/molecules28237710.

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