Cannabis bei Krebs: Wo medizinisches Cannabis unterstützen kann

Eine Krebserkrankung und ihre Behandlung können mit erheblichen Belastungen verbunden sein. Übelkeit und Erbrechen während einer Chemotherapie, Schmerzen, Schlafprobleme oder Appetitverlust können die Lebensqualität zusätzlich beeinträchtigen. Medizinisches Cannabis und Cannabinoide werden deshalb schon länger als mögliche unterstützende Behandlung diskutiert. 

Doch bei welchen Beschwerden können Cannabinoide tatsächlich helfen? Was zeigen aktuelle Studien? Welche Nebenwirkungen müssen berücksichtigt werden? Und warum gehört zu einer guten Begleitung bei Krebs mehr als die Behandlung körperlicher Symptome? 

Cannabis bei Krebs: Unterstützung statt Krebstherapie 

Wenn von „Cannabis bei Krebs“ gesprochen wird, werden häufig zwei unterschiedliche Fragen miteinander vermischt: Kann Cannabis die Krebserkrankung selbst behandeln? Oder können Cannabinoide Beschwerden lindern, die durch die Erkrankung oder ihre Therapie entstehen? 

Diese Unterscheidung ist entscheidend. 

Für eine Behandlung der Krebserkrankung selbst durch Cannabis gibt es bislang keine ausreichenden klinischen Belege. Die American Society of Clinical Oncology (ASCO) empfiehlt deshalb, Cannabis oder Cannabinoide außerhalb klinischer Studien weder anstelle einer etablierten Krebstherapie noch zu deren Verstärkung einzusetzen. 

Anders sieht es bei der Behandlung einzelner Begleiterscheinungen aus. Hier können Cannabinoide unter bestimmten Voraussetzungen Teil der supportiven Therapie sein. Dabei geht es nicht darum, den Tumor zu behandeln, sondern Beschwerden zu lindern und Patient:innen während ihrer Krebstherapie zu unterstützen. 

Wie gut das funktioniert, hängt stark vom jeweiligen Symptom, dem eingesetzten Cannabinoid und der individuellen Situation ab. Die bisher beste Evidenz besteht für schwer kontrollierbare Übelkeit und Erbrechen infolge einer Chemotherapie. 

Übelkeit und Erbrechen während einer Chemotherapie 

Übelkeit und Erbrechen gehören zu den möglichen Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Um sie möglichst zu verhindern, werden heute unterschiedliche Medikamente eingesetzt und je nach Art der Chemotherapie miteinander kombiniert. 

Dazu gehören unter anderem 5-HT3-Rezeptorantagonisten wie Ondansetron, NK1-Rezeptorantagonisten wie Aprepitant, Kortikosteroide wie Dexamethason oder Olanzapin. Auch Cannabinoide wie Dronabinol gehören zu den Wirkstoffen, die gegen Übelkeit und Erbrechen eingesetzt werden können. 

Die moderne medikamentöse Prophylaxe kann Übelkeit und Erbrechen bei vielen Patient:innen wirksam verhindern oder reduzieren. Trotzdem bleiben bei einem Teil der Betroffenen Beschwerden bestehen. 

Und genau für diese Situation werden Cannabinoide interessant. 

Was eine aktuelle THC/CBD-Studie zeigt 

Eine randomisierte, placebokontrollierte Phase-II/III-Studie untersuchte Patient:innen, die trotz leitliniengerechter Medikamente weiterhin unter Übelkeit und Erbrechen während einer moderat oder stark emetogenen Chemotherapie litten. 

Die Cannabinoide wurden dabei nicht anstelle der bestehenden Behandlung eingesetzt. Die Patient:innen erhielten zusätzlich zu ihrer bisherigen antiemetischen Therapie entweder einen qualitätskontrollierten oralen THC/CBD-Extrakt im Verhältnis 1:1 oder Placebo. 

Die Ergebnisse zeigten einen zusätzlichen Nutzen der Cannabinoid-Behandlung. In den Phase-II-Daten erreichten 25 Prozent der Patient:innen unter THC/CBD ein vollständiges Ansprechen – definiert als kein Erbrechen und keine notwendige Bedarfsmedikation – gegenüber 14 Prozent unter Placebo. 

Bemerkenswert war auch die Einschätzung der Patient:innen selbst: 83 Prozent bevorzugten die Behandlung mit THC/CBD gegenüber Placebo. 

Die ASCO bewertet diese Daten als vielversprechend und berücksichtigt Cannabinoide inzwischen ausdrücklich als mögliche zusätzliche Behandlung bei schwer kontrollierbarer chemotherapiebedingter Übelkeit und Erbrechen. Bei Beschwerden trotz leitliniengerechter Prophylaxe können demnach Dronabinol, Nabilon oder ein qualitätskontrollierter oraler THC/CBD-Extrakt als Ergänzung erwogen werden. 

Auch Standardmedikamente haben Nebenwirkungen 

Bei der Bewertung einer Therapie müssen Nutzen und mögliche Nebenwirkungen immer gemeinsam betrachtet werden. Das gilt für Cannabinoide genauso wie für andere Arzneimittel. 

Unter Cannabinoiden können beispielsweise Müdigkeit, Schwindel, Euphorie oder Veränderungen der Wahrnehmung auftreten. In der Phase-II-Studie zum THC/CBD-Extrakt wurden unter anderem Sedierung bei 19 Prozent, Schwindel bei 10 Prozent und Desorientierung bei 3 Prozent der Teilnehmenden beschrieben. 

Aber auch etablierte Antiemetika sind nicht frei von Nebenwirkungen. Olanzapin kann beispielsweise Sedierung, Mundtrockenheit, Schwindel, gesteigerten Appetit, Gewichtszunahme oder einen Blutdruckabfall beim Aufstehen verursachen. 

Die Frage lautet deshalb nicht pauschal „Cannabis oder konventionelle Medikamente?“ 

Entscheidend ist vielmehr, welche Behandlung oder Kombination von Behandlungen bei einer bestimmten Person Beschwerden ausreichend lindert und dabei möglichst gut vertragen wird. 

Cannabis bei Krebsschmerzen: Was wissen wir? 

Schmerzen können im Zusammenhang mit Krebs sehr unterschiedliche Ursachen haben. Sie können durch den Tumor selbst entstehen, aber beispielsweise auch durch Operationen oder andere Behandlungen verursacht werden. 

Auch Cannabinoide wurden als mögliche Ergänzung der Schmerztherapie untersucht. 

Hier ist die Studienlage allerdings weniger überzeugend als bei chemotherapiebedingter Übelkeit und Erbrechen. 

Eine Cochrane-Analyse aus dem Jahr 2023 wertete 14 Studien mit insgesamt 1.823 Patient:innen aus. Mehrere der Studien untersuchten insbesondere ein Mundspray mit THC und CBD bei Menschen, deren mittelschwere bis schwere Krebsschmerzen trotz einer Behandlung mit Opioiden bestanden. 

Im Durchschnitt zeigte sich dabei kein klinisch relevanter zusätzlicher Nutzen für diese schwer behandelbaren Schmerzen. 

Diese Aussage sollte allerdings richtig eingeordnet werden. 

Untersucht wurde eine Patientengruppe, deren Schmerzen bereits auf starke, morphinähnliche Medikamente nicht ausreichend angesprochen hatten. Außerdem untersuchten die Studien sehr unterschiedliche cannabinoidhaltige Arzneimittel. 

Besonders wichtig: Die Cochrane-Autor:innen fanden keine geeigneten Studien mit medizinischen Cannabisblüten. Die Ergebnisse dürfen deshalb nicht pauschal auf jede Form einer medizinischen Cannabistherapie übertragen werden. 

Für die Behandlung von Krebsschmerzen bedeutet das derzeit: Cannabinoide sind kein nachgewiesener Ersatz für eine etablierte Schmerztherapie. Ob sie einzelnen Patient:innen dennoch einen zusätzlichen Nutzen bringen können, lässt sich anhand der vorhandenen Daten nicht generell beantworten. 

Auch die ASCO kommt deshalb zu dem Ergebnis, dass die Evidenz derzeit nicht ausreicht, um Cannabinoide bei Krebsschmerzen generell zu empfehlen oder davon abzuraten. 

Cannabis bei Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust 

THC wird häufig mit einer Steigerung des Appetits in Verbindung gebracht. Deshalb liegt die Frage nahe, ob Cannabinoide auch bei Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung helfen können. 

Auch hier ist die Situation komplexer. 

Appetit- und Gewichtsverlust bei einer fortgeschrittenen Krebserkrankung können unterschiedliche Ursachen haben. Eine appetitanregende Wirkung allein bedeutet deshalb nicht automatisch, dass sich auch Gewicht, Ernährungszustand oder Lebensqualität verbessern. 

Bisherige Untersuchungen zu Dronabinol, Nabilon, THC sowie THC/CBD konnten keinen eindeutigen Nutzen bei krebsbedingtem Gewichtsverlust oder vermindertem Appetit nachweisen. Die ASCO bewertet die vorhandene Evidenz als niedrig und gibt derzeit keine Empfehlung für oder gegen den Einsatz von Cannabinoiden für diesen Zweck. 

Auch hier gilt also: Fehlender eindeutiger Wirksamkeitsnachweis bedeutet nicht automatisch, dass einzelne Patient:innen keinen subjektiven Nutzen erleben. Für eine allgemeine medizinische Empfehlung reicht die bisherige Studienlage jedoch nicht aus. 

Und was ist mit Schlaf, Angst und Lebensqualität? 

Gerade diese Beschwerden sind für Patient:innen im Alltag relevant und werden häufig als Gründe für die Anwendung von medizinischem Cannabis genannt. 

Die onkologische Studienlage ist jedoch bislang begrenzt. 

Die ASCO hat auch Untersuchungen zu Schlaf, Angst, Depression und Lebensqualität ausgewertet. Für Schlafprobleme bei Patient:innen mit chronischen Krebsschmerzen bewertet sie die Evidenz zu oralen Cannabinoiden als moderat, sieht aber keine ausreichende Grundlage für eine generelle Empfehlung. Bei Angst und Depression ist die Evidenz noch deutlich geringer. 

Das zeigt ein grundsätzliches Problem der Forschung: „Cannabis“ ist nicht eine einzige Therapie. 

Untersucht werden unterschiedliche Wirkstoffe und Produkte, darunter Dronabinol, Nabilon, Nabiximols, CBD oder definierte THC/CBD-Extrakte. Dosierungen, Einnahmeformen, THC-CBD-Verhältnisse und Patientengruppen unterscheiden sich teilweise erheblich. 

Ergebnisse einer Studie zu einem bestimmten THC/CBD-Präparat lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf Cannabisblüten oder ein anderes Cannabinoidpräparat übertragen. 

Kann Cannabis Krebs bekämpfen? 

Diese Frage beschäftigt viele Patient:innen und Angehörige. Insbesondere im Internet finden sich immer wieder Berichte über eine vermeintlich krebshemmende Wirkung von Cannabis. 

Tatsächlich gibt es präklinische Untersuchungen an Zellkulturen und Tiermodellen, in denen Cannabinoide interessante Effekte auf Krebszellen zeigen. 

Solche Ergebnisse sind für die Forschung wichtig. Sie sind aber kein Nachweis dafür, dass Cannabis einen Tumor beim Menschen wirksam behandeln kann. 

Die ASCO hat für ihre Leitlinie die vorhandene klinische Evidenz systematisch ausgewertet und kommt zu einem klaren Ergebnis: Cannabis und Cannabinoide sollten außerhalb klinischer Studien weder anstelle einer etablierten Krebstherapie noch zur vermeintlichen Verstärkung ihrer krebsbekämpfenden Wirkung eingesetzt werden. 

Medizinisches Cannabis kann deshalb nicht als Alternative zu Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie, Immuntherapie oder anderen etablierten onkologischen Behandlungen verstanden werden. 

Sein möglicher Stellenwert liegt an anderer Stelle: bei der Linderung ausgewählter Beschwerden und damit als möglicher Bestandteil einer supportiven Therapie. 

Was lässt sich aus der Forschung mitnehmen? 

Die wissenschaftliche Antwort auf die Frage „Hilft Cannabis bei Krebs?“ ist also weder ein einfaches Ja noch ein pauschales Nein. 

Bei anhaltender Übelkeit und Erbrechen infolge einer Chemotherapie trotz leitliniengerechter Behandlung gibt es inzwischen konkrete Evidenz für einen zusätzlichen Nutzen bestimmter Cannabinoide. Dieser Einsatz findet sich auch in der aktuellen ASCO-Leitlinie wieder. 

Bei Krebsschmerzen konnte insbesondere für THC/CBD-Mundsprays bei opioidrefraktären Schmerzen bislang kein klinisch relevanter durchschnittlicher Zusatznutzen nachgewiesen werden. Gleichzeitig fehlen aussagekräftige Studien zu medizinischen Cannabisblüten. 

Für Appetit, Gewichtsverlust, Schlaf oder psychische Beschwerden ist die Evidenz derzeit ebenfalls nicht ausreichend, um allgemeine Empfehlungen auszusprechen. 

Und für eine Behandlung des Krebses selbst gibt es bislang keinen ausreichenden klinischen Wirksamkeitsnachweis. 

Medizinisches Cannabis sollte deshalb weder überschätzt noch vorschnell abgeschrieben werden. Entscheidend sind das konkrete Symptom, die bisherige Behandlung, mögliche Neben- und Wechselwirkungen und die individuelle Situation der Patient:innen. 

Krebs betrifft mehr als den Körper 

Übelkeit behandeln. Schmerzen lindern. Nebenwirkungen kontrollieren. All das kann dazu beitragen, eine belastende Therapie besser zu bewältigen. 

Doch eine Krebserkrankung betrifft mehr als den Körper. 

Mit einer Diagnose können Ängste, Unsicherheit und Fragen entstehen, auf die Medikamente keine Antwort geben können. 

Wie gehe ich mit meiner Erkrankung um? Wie verändert sich mein Verhältnis zu meinem Körper? Wie spreche ich mit Familie und Freund:innen darüber? Und wie findet man nach Monaten voller Untersuchungen und Behandlungen wieder zurück in einen Alltag, der sich vielleicht gar nicht mehr so anfühlt wie vorher? 

Auch Partner:innen, Kinder, Eltern, Freund:innen und andere Angehörige erleben diese Veränderungen mit. 

Gute Begleitung bei Krebs kann deshalb mehr bedeuten als medizinische Behandlung und Symptomkontrolle. 

LebensHeldin!: Unterstützung dort, wo Medizin nicht alles auffangen kann 

Genau hier setzt LebensHeldin! e. V. an. 

Die gemeinnützige Organisation begleitet Frauen mit und nach einer Krebserfahrung. Im Mittelpunkt steht nicht die Behandlung der Erkrankung, sondern die Frage, wie Betroffene wieder Vertrauen, Selbstwirksamkeit, Gemeinschaft und Zuversicht entwickeln können. 

Mit verschiedenen Angeboten schafft LebensHeldin! Räume, in denen Frauen Erfahrungen teilen und Unterstützung finden können. 

Die Sisterhoods ermöglichen regelmäßigen Austausch mit anderen betroffenen Frauen. Die kostenfreien Treffen werden von qualifizierten Mentorinnen begleitet und verbinden Gemeinschaft unter anderem mit Coaching-Impulsen und Meditation. 

Bei den mehrtägigen Healing-Reisen stehen Gemeinschaft, Selbstwirksamkeit und der Umgang mit der eigenen Krebserfahrung im Mittelpunkt. 

Mit dem Mutmach-Buch möchte LebensHeldin! Frauen möglichst früh nach einer Brustkrebsdiagnose erreichen. Persönliche Erfahrungen werden darin mit Expertenwissen und konkreten Hilfestellungen verbunden. 

Diese Angebote setzen an einem anderen Punkt an als medizinische Versorgung. Und gerade deshalb können sie eine wichtige Ergänzung sein. 

Warum Grünhorn LebensHeldin! unterstützt 

Als Apotheke erleben wir Versorgung vor allem aus medizinischer Perspektive. Gleichzeitig wissen wir, dass Lebensqualität nicht allein davon abhängt, ob körperliche Symptome behandelt werden können. 

Medizinisches Cannabis kann für einzelne Patient:innen ein Baustein einer supportiven Behandlung sein. Die Forschung zeigt Möglichkeiten, aber ebenso die Grenzen der bisherigen Erkenntnisse. 

Und dann gibt es einen Teil von Unterstützung, den kein Medikament übernehmen kann: zuhören, Erfahrungen teilen, Ängste auffangen, Gemeinschaft schaffen und neuen Mut entwickeln. 

Im Brustkrebsmonat Oktober möchten wir deshalb den Blick über die rein medizinische Versorgung hinaus richten und die Arbeit von LebensHeldin! e. V. unterstützen. 

Im Oktober zählt Ihre Spende doppelt 

LebensHeldin! finanziert seine Angebote auch durch Spenden. Damit können Projekte und Unterstützungsangebote für Frauen mit und nach einer Krebserfahrung ermöglicht werden. 

Im Oktober möchten wir gemeinsam mit Ihnen dazu beitragen. 

Für jeden Euro, der im Rahmen unserer Aktion an LebensHeldin! gespendet wird, legt Grünhorn einen weiteren Euro dazu. 

Aus 10 € werden 20 €. 
Aus 25 € werden 50 €. 
Aus 50 € werden 100 €. 

Grünhorn verdoppelt die im Aktionszeitraum eingegangenen Spenden bis zu einer Gesamthöhe von 1000 Euro. 

Jetzt spenden und ZukunftsMut schenken 

Denn eine Krebserkrankung betrifft mehr als den Körper. Und gute Unterstützung kann genauso viele Seiten haben wie das Leben selbst. 

 
 

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