Ratgeber

Das Endo­canna­binoid­system

Oftmals sprechen Mediziner:innen von unserem ECS, einem System, welches auf viele grundlegende Funktionen in unserem Körper Einfluss nimmt. Doch was genau steckt hinter dem Begriff ECS? Wie setzt es sich zusammen und was hat das eigentlich mit Cannabis zu tun?

Was ist das Endocannabinoidsystem?

Hinter der Abkürzung „ECS“ verbirgt sich der Begriff Endocannabinoidsystemm: ein System, welches auf viele grundlegende Körperfunktionen Einfluss nimmt bzw. diese steuert. So ist das ECS beispielsweise an der Steuerung des Immunsystems und an der Funktion des zentralen Nervensystems beteiligt. Das ECS ist, aus wissenschaftlicher Sicht, eine relativ junge Entdeckung, denn es wurde erstmalig im Jahr 1988 erforscht. Damals wurde der Cannabinoid-Rezeptor Typ 1 (CB1) im Körper gefunden. Bereits wenige Jahre später folgte die Entdeckung des Cannabinoid-Rezeptors Typ 2 (CB2). Seither werden Funktions- und Wirkweise tiefgreifend untersucht, dennoch sind Forscher von einer vollständigen wissenschaftlichen Aufklärung des ECS derzeit noch weit entfernt.

Bestandteile des Endocannabinoidsystems

Unser ECS besteht aus drei wesentlichen Bestandteilen: Die CB1– und CB2-Rezeptoren, an die sowohl körpereigene als auch pflanzliche Cannabinoide binden. Ein weiterer Bestandteil sind die verschiedenen Cannabinoide. Weiterhin ergänzen Enzyme die Funktion des ECS, indem sie dafür sorgen, dass nicht mehr benötigte Endocannabinoide im Körper verwertet bzw. aufbereitet werden können. Sie agieren als eine Art Recyclingsystem. Würde unser Körper nicht über diese Funktion verfügen, würden sich zunehmend mehr Cannabinoide ansammeln. Dies könnte eine übermäßige Reaktion im Körper hervorrufen.

Cannabinoide

Die Gruppe der Cannabinoide wird unterschieden in endogene (vom Körper selbst produzierte) und exogene (von außen zugeführte) Cannabinoide:

  • Phytocannabinoide (phyto = griech.: „pflanzlich“)
  • Endocannabinoide (endo = griech.: „innen“)
  • synthetische Cannabinoide

Endocannabinoide sind unsere natürlich im Körper vorkommenden Cannabinoide. Diese chemischen Botenstoffe sind folglich für die Interaktion mit den Rezeptoren vorgesehen, um ihnen Anweisung zu geben. Zu diesen zählen die Endocannabinoide Anandamid (Arachidonyethanolamid) und 2-AG (2-Arachidonoylglycerol). Letzteres ähnelt in seiner Form sehr stark der von THC, weshalb die Stimulation der Rezeptoren ausgesprochen gut funktioniert.
Die Gruppe der Phytocannabinoide ist weitaus größer. Zu den bekanntesten Phytocannabinoiden gehören:

  • THC (Tetrahydrocannabinol) – primäres Cannabinoid mit psychoaktiver Wirkung
  • CBD (Cannabidiol) – bietet enorme therapeutische Vorteile, ohne psychoaktive Wirkung
  • CBC (Cannabichromen) – nicht psychoaktiv und meist nur sehr niedrig vorhanden
  • CBG (Cannabigerol) – Vorstufe von THC, CBD und CBC
  • CBN (Cannabinol) – entsteht bei Zersetzung von THC, Wirksamkeit im Vgl. zu THC um einiges niedriger
  • THCV (Tetrahydrocannabivarin) – neutraler Agonist, welcher Rezeptoren stimuliert

Synthetisch hergestellte Cannabinoide sind äußerst kritisch zu betrachten und sollten nie in Erwägung gezogen werden, denn sie sind nicht mit den „natürlichen“ Cannabinoiden verwandt. Ursprünglich wurden sie zur Schmerzlinderung entwickelt, um eine therapeutische Wirkung hervorzurufen. Jedoch wurden sie zunehmend in illegalen Kräutermischungen oder Räucherstäbchen gefunden. Die Wirkweise von synthetischen Cannabinoiden ist meist schwer abschätzbar. Zusätzlich ist bislang nur wenig über die körperliche und psychische Auswirkung und das Sicherheitsprofil bekannt.

CB1 und CB2 Rezeptoren

An CB1 und CB2 Rezeptoren binden sowohl menschliche als auch pflanzliche Cannabinoide und erzeugen somit eine Wirkung. Der CB1-Rezeptor ist vorwiegend auf Nervenzellen lokalisiert, findet sich jedoch in teils niedrigen Konzentrationen auch in vielen anderen Organen und Geweben, beispielsweise in Haut, Knochen, Milz, Herz, ableitenden Harnwegen, endokrinen Drüsen, Magen-Darm-Trakt, Reproduktionsorganen, Speicheldrüsen und Leukozyten. Der CB2-Rezeptor befindet sich vorwiegend auf Zellen des Immunsystems.

Wie wirkt unser Endocannabinoidsystem und was wird durch das ECS reguliert?

Unser ECS ist maßgeblich an vielen Prozessen in unserem Körper beteiligt und erfüllt verschiedene Aufgaben. Die Hauptfunktion liegt jedoch in der Aufrechterhaltung der Homöostase. Unter Homöostase versteht man die innere Balance der physiologischen Vorgänge im menschlichen Körper und deren Aufrechterhaltung.

Die Funktionsweise des ECS versteht sich nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip. Die verschiedenen Cannabinoide bewegen sich frei im Körper und fungieren als eine Art Schlüssel. Die Rezeptoren hingegen befinden sich an unterschiedlichen Stellen im Körper und agieren als Schloss. Sie binden die Cannabinoide und entfalten somit ihre vielfältigen Effekte im Körper.
Bei einigen Erkrankungen und Beschwerden kann eine gezielte Beeinflussung des Systems nützlich sein, z.B. durch Hemmung des Endocannabinoidabbaus. Werden Phytocannabinoide zugeführt, können diese an Cannabinoid-Rezeptoren binden oder die Konzentration von Endocannabinoiden beeinflussen. Eine Beeinflussung des Systems kann agonistisch (gleichgesetzt) erfolgen, z.B. als Ersatztherapie, wenn die körpereigene Substanz fehlt. Auch ein antagonistischer Therapieansatz ist möglich (gegensätzlich bzw. blockierend), um z.B. bestimmte Neurotransmitter zu hemmen.

Einige Funktionen des Magen-Darm-Traktes werden durch Endocannabinoide reguliert. Auch das Immunsystem wird durch Endocannabinoide beeinflusst. Zellen des Immunsystem tragen überwiegend CB2-Rezeptoren und wenige CB1-Rezeptoren. Die Aktivierung der Rezeptoren kann eine Freisetzung entzündungsfördernder Stoffe im Körper hemmen.

ECS und Cannabis

Die Inhaltstoffe der Cannabispflanze weisen vielfältige Wirkungen im gesamten menschlichen Körper auf. Insbesondere THC und CBD stehen dabei als Hauptinhaltsstoffe im Fokus. Da das Endocannabinoidsystem an der Regulierung vieler körperlicher Prozesse beteiligt ist, geht man davon aus, dass dies der Grund für die breiten Einsatzmöglichkeiten von medizinischem Cannabis bei verschiedenen Erkrankungen und Beschwerden ist. Indem durch Forschung jedoch mehr über dessen Funktionsweise herausgefunden wird, wird es auch möglich, die therapeutische Nutzung von Cannabis immer spezifischer zu gestalten. Es sind weitere Untersuchungen notwendig, allerdings deuten die bisherigen Erkenntnisse und Erfahrungen darauf hin, dass Cannabis in unterschiedlichen Zusammensetzungen als Arzneimittel zur Behandlung diverser Krankheitsbilder dienen kann.

Fakten am Rande

  • Die Cannabinoide der Cannabispflanze (hauptsächlich THC und CBD) haben erst zur Entdeckung des Endocannabinoidsystems geführt
  • Die Konzentration an CB1-Rezeptoren im Hirnstamm, welcher für elementare Lebensfunktionen (z.B. Kreislauf und Atmung) zuständig ist, ist niedrig. Folglich wird davon ausgegangen, dass eine Überdosierung von z. B. THC bei gesunden Menschen keine lebensbedrohlichen Auswirkungen zur Folge hat
  • Phytocannabinoide liegen nur in saurer Form in der Pflanze vor, also nicht psychoaktiv. Seine psychoaktive Wirkung entfaltet THC erst nach der Decarboxylierung (chemische Reaktion, die z.B. durch Erhitzen ausgelöst wird).
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